Erziehung

Kind ohne Antrieb: Kontrolle durch Eltern laut Psychologie

Aufmüpfige, unangepasste, hyperaktive Kinder fallen auf, denn sie sind laut, tollen herum und ecken an. Sind Kinder hingegen ruhig, ziehen sie sich zurück und haben sie wenig Lust zum Spielen, wird das oft auf Müdigkeit zurückgeführt. Nicht immer stecken hinter dieser Antriebslosigkeit jedoch Schlaf- oder Vitaminmangel. Besonders in Kombination mit Stimmungsschwankungen kann sie ein Hinweis auf eine Depression sein.

Wird diese nicht erkannt und behandelt, besteht ein hohes Risiko, dass die Erkrankung chronisch verläuft. Eltern sollten daher wachsam sein und die möglichen Anzeichen einer Depression keinesfalls ignorieren.

Kind ohne Antrieb erfordert laut Psychologie Kontrolle durch Eltern

Depressionen werden oft nicht erkannt, lange wurde überhaupt angezweifelt, dass sie auch schon bei Kindern auftreten können. Doch bereits im Vor- und Grundschulalter leiden, laut einer Studie am Hamburger Universitätsklinikum, ein bis zwei Prozent der Kinder an Depressionen. Häufiger sind depressive Erkrankungen dann in der Pubertät, wo schätzungsweise drei bis zehn Prozent der Jugendlichen betroffen sind. Die Dunkelziffer ist jedoch möglicherweise hoch, da Depressionen im Kindes- und Jugendalter oft nicht diagnostiziert werden. Schon bei Erwachsenen ist es nicht leicht, eine Depression zu erkennen.

Bei jungen Menschen gestaltet sich die Diagnose noch schwieriger, da die Symptome oft schwer von alterstypischen „Problemen“ unterscheidbar sind. Umso wichtiger ist es, dass Eltern wachsam sind und bei begründetem Verdacht rasch Hilfe suchen. Allzu oft übersehen Erwachsene die Symptome einer Depression und nehmen Traurigkeit, Antriebs- oder Appetitlosigkeit, Zurückgezogenheit oder heftige Stimmungsschwankungen zu wenig ernst. Erschwerend dazu kommt, dass sich jüngere Kinder auch noch nicht so gut ausdrücken können und sich schwerer tun, Symptome korrekt zu benennen. Gerade kleinere Kinder verleihen ihren Gefühlen stärker durch Verhalten als durch Worte Ausdruck.

Eine Depression wird zudem schnell einmal als Kopfweh oder Bauchweh beschrieben und Eltern wie Ärzte damit auf die falsche Spur geführt.

Mögliche Symptome einer Depression

Depressionen zeigen sich bei Kindern und Jugendlichen oft in anderen Symptomen als bei Erwachsenen. Folgende Symptome können, vor allem in Kombination, möglicherweise auf eine Depression hindeuten:

Klein- und Vorschulkinder

  • wirken traurig oder apathisch, das Gesicht ist ausdruckslos
  • haben keine Lust am Spielen und können sich auch sonst nicht so recht freuen
  • sind ängstlich, schüchtern und ziehen sich zurück
  • zeigen verändertes Essverhalten oder starke Gewichtsschwankungen
  • schlafen schlecht oder leiden an Alpträumen
  • weinen schnell, klammern oder werden schnell zornig

Schulkinder bis 12 Jahre

  • sagen, dass sie traurig sind oder Angst haben
  • bringen schlechte schulische Leistungen und haben Konzentrationsprobleme
  • grübeln viel, leiden unter Hoffnungslosigkeit und Antriebslosigkeit
  • zeigen veränderte Essgewohnheiten

Jugendliche

  • sind teilnahmslos, antriebslos oder ängstlich
  • zeigen wenig Selbstvertrauen und ziehen sich aus Sozialkontakten zurück
  • haben Konzentrationsschwierigkeiten und bringen schlechte schulische Leistungen
  • zeigen über den Tag stark schwankendes seelisches Befinden
  • zeigen Schlaf-, Appetit- oder Essstörungen

Diese Symptome lassen nicht zwangsläufig auf eine Depression schließen. Gerade in der Pubertät sind Zweifel oder Traurigkeit oft Teil einer normalen Entwicklung, müssen aber trotzdem ernst genommen werden. Wenn sich auch nur der Verdacht ergibt, dass Kinder oder Jugendliche an Depression leiden, sollte unbedingt die professionelle Hilfe eines Kinder- und Jugendpsychiaters in Anspruch genommen werden.

Ursachen für Depressionen bei Kindern und Jugendlichen und Kindern

Bei Depressionen handelt es sich um ein komplexes Zusammenspiel aus genetischen und biologischen Faktoren sowie Umwelteinflüssen, das noch immer nicht hundertprozentig geklärt ist. Faktum ist, dass Kinder von depressiven Eltern ein deutlich höheres Risiko aufweisen, ebenfalls an einer Depression zu erkranken. Während einer depressiven Phase liegen gewisse Neurotransmitter wie Noradrenalin, Serotonin oder Acetylcholin in verminderter oder vermehrter Konzentration vor.

Einen entscheidenden Beitrag zur Entstehung von Depressionen liefern die Umweltfaktoren und damit die Familie. Rückhalt und Zuwendung sowie eine gute Beziehung zu den Eltern können Kinder vor Depressionen schützen. Oftmals sind Leistungsdruck, Mobbing in der Schule, eine Scheidung der Eltern oder häufiger Streit im Elternhaus Auslöser für eine depressive Erkrankung. Kinder und Jugendliche, die gelernt haben, Krisen und Probleme zu bewältigen und sich bei Bedarf Hilfe zu suchen, sind weniger gefährdet, an einer Depression zu erkranken.

kind bei psychologin
Photographee.eu/shutterstock.com

Eine besondere Risikophase ist die Pubertät, die für Jugendliche mit Veränderungen, Herausforderungen und mentalem Stress verbunden ist. In dieser Zeit sind Jugendliche auf Identitätssuche, grenzen sich zunehmend von den Eltern ab und sind hormonellen Turbulenzen ausgesetzt. Diese Phase bringt eine große Verunsicherung mit sich, die ebenfalls Auslöser für eine Depression sein kann. Ein gutes Sozialnetz an gleichaltrigen Freuden sowie eine gute Beziehung zu den Eltern können in dieser schwierigen Zeit den nötigen Halt geben.

Kind ohne Antrieb und Kontrolle: Diagnose und Behandlung laut Psychologie

Leiden Kinder und Jugendliche länger unter fehlendem Antrieb und unbegründeten Stimmungsschwankungen, sollte auf jeden Fall ein Psychologe zu Rate gezogen werden. Basis der Diagnose sind dabei die drei Hauptsymptome: depressive Verstimmung bzw. Stimmungsschwankungen, Interessensverlust und Antriebslosigkeit sowie Müdigkeit. Daneben werden häufig auftretende Nebensymptome wie Schlafstörungen, Schuldgefühle oder geändertes Essverhalten herangezogen. Der Therapeut bzw. Arzt erfasst diese anhand eines standardisierten Fragebogens und zieht auch die Beobachtungen und Einschätzungen von Personen heran, die das Kind regelmäßig erleben.

Durch eine begleitende körperliche Untersuchung werden mögliche physiologische Ursachen ausgeschlossen.

Ist die Depression erstmal erkannt, kann sie auch entsprechend behandelt werden. Bei Vorliegen einer leichten bis mittelschweren Depression werden Kinder und Jugendliche vorzugsweise mit Psychotherapie behandelt. Oft ist es ratsam, dabei Familienmitglieder im Zuge einer Familientherapie einzubinden, um belastende Wechselwirkungen aufzulösen. Bei kleineren Kindern können auch mittels Spieltherapie, die den Ausdruck von Gefühlen ermöglicht, Sicherheit vermittelt und das Selbstvertrauen stärkt, gute Resultate erzielt werden. Für Jugendliche empfiehlt sich in den meisten Fällen eine kognitive Verhaltenstherapie, um neue Denkmuster anzuregen und Problemlösungstechniken zu vermitteln.

Was können Eltern bei schweren Krankheitsverläufen tun?

In schwereren Fällen können Antidepressiva aus dem schwarzen Depressionsloch heraushelfen. Sie werden jedoch nur ergänzend zu anderen therapeutischen Maßnahmen und mit großer Umsicht verabreicht. Antidepressiva machen zwar nicht abhängig und sind in der Regel gut verträglich, allerdings sind Medikamente, die erfolgreich zur Behandlung von Depressionen bei Erwachsenen eingesetzt werden, bei Kindern noch zu wenig erforscht. Deshalb ist es unbedingt notwendig, dass das Verhalten der jungen Patienten gerade zu Beginn der Therapie genau gemonitort wird, da Antidepressiva in einigen Fällen Aggressionen und Suizidgedanken auslösen können.

Depressionen bei Kindern und Jugendlichen werden in den meisten Fällen ambulant behandelt. Nur in schweren Fällen, bei Suizidgefährdung oder wenn es notwendig ist, dass sich die Patienten von belastenden schulischen oder häuslichen Situationen erholen, erfolgt die Therapie stationär. In diesem Fall kümmern sich Ärzte und Psychologen gemeinsam mit Sozialarbeitern und Pädagogen um das Wohlergehen der Kinder und Jugendlichen und stimmen die Therapie auf deren individuelle Situation ab.

Depressionen im Kindes- und Jugendalter

Wachsamkeit von Eltern wie Lehrern und Kindergärtnern ist das oberste Gebot, um Anzeichen für eine Depression frühzeitig zu erkennen und richtig zu deuten. Depressionen sind schwerwiegende psychische Erkrankungen, die unbedingt ernst genommen werden müssen. Werden sie im Kindes- und Jugendalter nicht fachgerecht behandelt, besteht ein hohes Risiko, dass sie chronisch verlaufen und die Betroffenen immer wieder Rückfälle erleiden. Die Rückfallrate liegt bei jungen Menschen mit siebzig bis achtzig Prozent sehr hoch, was vermutlich auf Veränderungen im Gehirn zurückzuführen ist. Schwere Depressionen können zudem tödlich enden, auch Kinder sind in diesem Fall suizidgefährdet.

trauriges kind
Africa Studio/shutterstock.com

Häufig gehen Depressionen bei Kindern und Jugendlichen Hand in Hand mit Konzentrations- und Lernschwierigkeiten. Dies führt zu einem Abfall in der schulischen Leistung, verursacht zusätzlichen Stress und erschwert folglich ein Ausbrechen aus der negativen Gedankenspirale. Wird eine Depression erkannt und rechtzeitig behandelt, werden rund 30 Prozent der jungen Patienten nach einer depressiven Phase wieder völlig und dauerhaft gesund.

Antriebslose Kinder und Kontrolle in der Psychologie: Unser Fazit

Depressionen wachsen sich nicht aus. Kinder und Jugendliche, die an einer depressiven Erkrankung leiden benötigen professionelle Hilfe – und zwar je früher, desto besser. Lassen Kinder Spielzeug einfach liegen, haben sie den Spass an Freizeitaktivitäten verloren, stochern sie lustlos im Essen herum, wirken sie traurig und apathisch und zeigen sie Schlaf- und Konzentrationsstörungen, leiden sie möglicherweise an einer depressiven Erkrankung. Fachleute sprechen von einer Depression, wenn Traurigkeit, Lustlosigkeit und Müdigkeit mehr als zwei Wochen andauern.

Für Eltern ist es nicht immer leicht, eine Depression zu erkennen. Weist ein Kind jedoch verdächtige Symptome auf, heißt es besser früher zum Arzt als zu spät. Der Kinderarzt kann im Normallfall die Situation recht gut einschätzen, da er die jungen Patienten bereits länger kennt, und wird diese bei Bedarf an einen Kinder- oder Jugendpsychiater überweisen. Eine depressive Erkrankung darf keinesfalls als Phase abgetan werden, die sich auswächst. Gerade bei älteren Kindern und Jugendlichen, die sich bereits besser ausdrücken können, ist es wichtig, sie zu ermuntern, offen über ihre düsteren und traurigen Gedanken und Ängste zu sprechen. Auch dabei können Ärzte und Therapeuten unterstützen.

Der Hauptzweck einer Therapie besteht darin, den Kindern und Jugendlichen Werkzeuge in die Hand zu geben, mit Problemen, Krisen, Selbstzweifeln oder fehlendem Antrieb umzugehen. Die Verantwortung, wachsam gegenüber möglichen Symptomen zu sein und damit eine frühzeitige Erkennung der Krankheit zu ermöglichen, liegt jedoch bei den Eltern.

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