Schwangerschaft mit Zwillingen: Nachwuchs im Doppelpack

Herzlichen Glückwunsch, es sind Zwillinge!“ Oft löst dieser Satz bei vielen werdenden Eltern einen Schock aus. Denn Zwillinge sind wohl in den wenigsten Fällen geplant. Obwohl die Freude überwiegt, gehen mit einer Zwillingsschwangerschaft auch viele Fragen und Sorgen einher. Wie gehe ich mit einer Schwangerschaft mit Zwillingen um? Gibt es Risiken oder besondere Herausforderungen? Und wie wird das Leben mit Zwillingen sein? Im Folgenden werden alle Fragen rund um das Thema der Schwangerschaft mit Zwillingen beantwortet.

Schwangerschaft mit Zwillingen: Wie hoch ist die Wahrscheinlichkeit?

Jede 40. Geburt weltweit eine Zwillingsgeburt. In Deutschland leben ungefähr eine Million Zwillingspaare. Davon ist ein Drittel eineiig, der Rest zweieiig. Wie hoch die Wahrscheinlichkeit ist, Zwillinge zu bekommen, hängt von verschiedenen Faktoren ab. So nimmt die Wahrscheinlichkeit mit steigendem Alter zu. Ab einem Alter der Frau von 40 Jahren steigt die Wahrscheinlichkeit auf Zwillinge immer weiter an. Hat eine Frau unter 40 eine Wahrscheinlichkeit von drei Prozent Zwillinge zu bekommen, sind es ab 40 Jahren bereits sieben Prozent. Bei über 45 Jahren werden es sogar ganze 17 Prozent.

Ein weiterer Grund für Zwillinge kann die Einnahme bestimmter Medikamente wie Clomifen sein. Die Wahrscheinlichkeit wird durch dieses verschreibungspflichtige Medikament auf 33 Prozent erhöht. Auch eine Mutter, die bereits schwanger war, hat eine höhere Chance, bei der zweiten Geburt Zwillinge zu bekommen. Künstliche Befruchtung kann die Wahrscheinlichkeit für Zwillinge ebenfalls stark erhöhen. Bei der In-vitro-Fertilisation nimmt die Chance auf ganze 20 bis 40 Prozent zu. Zwillingsgeburten sind in Deutschland eine Ausnahme, doch sie nehmen immer weiter zu. Grund dafür kann beispielsweise das höhere Alter der Mutter sein.

Viele Deutsche bekommen heutzutage erst spät Kinder. Die Wahrscheinlichkeit für Zwillinge steigt also. Besonders zweieiige Zwillinge kommen immer häufiger zur Welt.

Eineiige oder zweieiige Zwillinge?

Bei einer Schwangerschaft mit Zwillingen wird zwischen den eineiigen und den zweieiigen Zwillingen unterschieden. Denn bei einer Zwillingsschwangerschaft können gleich zwei verschiedene Möglichkeiten eintreten. Entweder werden zwei Eizellen gleichzeitig befruchtet oder eine befruchtete Eizelle teilt sich bereits in einem sehr frühen Stadium. In diesem Fall wird dann von eineiigen Zwillingen gesprochen. Diese teilen sich eine Fruchthöhle und sehen aufgrund des identischen Erbmaterials sehr ähnlich aus. Auch das Geschlecht ist bei eineiigen Zwillingen immer dasselbe. Es gibt entweder zwei Jungen oder zwei Mädchen.

Bei zweieiigen Zwillingen ist dies anders. Auch sie können sehr ähnlich aussehen, allerdings auch komplett unterschiedlich. Zudem kann sich das Geschlecht bei diesen unterscheiden. Mit etwas Glück bekommen die Eltern also einen Jungen und ein Mädchen.

Wie wird eine Zwillingsschwangerschaft erkannt?

Die Möglichkeit, dass eine Zwillingsschwangerschaft unentdeckt bleibt, ist sehr gering. Wer während der Schwangerschaft den Frauenarzt aufsucht, dem sollte so etwas nicht passieren. Denn dieser schaut während der Schwangerschaft ganz genau, ob sich nicht doch mehrere Kinder im Bauch verstecken. Besonders durch Ultraschall sollten Zwillingsschwangerschaften in der Regel sehr früh – innerhalb von acht bis zwölf Wochen nach dem Beginn der Schwangerschaft – erkannt werden. In dieser Zeit lässt sich auch feststellen, ob es sich um eineiige oder zweieiige Zwillinge handelt. Danach ist dies meist nicht mehr möglich.

In einigen Fällen kann sogar schon ab der sechsten Schwangerschaftswoche festgestellt werden, ob Zwillinge entstehen. Leider ist in dieser Phase aber die Möglichkeit gegeben, dass einer der Embryos abgeht.

Es gibt typische Symptome, die, falls sie verstärkt auftreten, ein Hinweis auf eine Zwillingsschwangerschaft sein können. So sind beispielsweise stark erhöhte Gewichtszunahme, Wassereinlagerungen an den Beinen, Kurzatmigkeit, Schwangerschaftsstreifen und Krampfadern, erhöhter Harndrang oder aber Bluthochdruck ein Indiz für eine Schwangerschaft mit Zwillingen. Zudem befindet sich bei einer Zwillingsschwangerschaft mehr HCG im Blut. Dies führt häufig zu einer stärkeren Übelkeit während der Schwangerschaft. Auch wenn die Gebärmutter für die jeweilige Schwangerschaftswoche eher groß ist, kann dies auf eine Zwillingsschwangerschaft hindeuten.

Unterschiede und Herausforderungen einer Zwillingsschwangerschaft

Oft wird davon ausgegangen, dass eine Schwangerschaft mit Zwillingen viel anstrengender als eine normale Schwangerschaft wird. Dies stimmt durchaus. Tatsächlich stellt eine Zwillingsschwangerschaft vor allem die Frau vor neue Herausforderungen. Durch das Gewicht der beiden Kinder treten beispielsweise Gelenk oder Rückenschmerzen auf. Zudem kommt es häufiger zu Übelkeit oder Verstopfung. Auch ein Nährstoffmangel durch den erhöhten Nährstoffbedarf durch gleich zwei Babys ist keine Seltenheit. Viele schwangere Frauen sind von Eisenmangel betroffen.

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Die Geburt von Zwillingen ist zudem oft anstrengender. Es sei denn, die Zwillinge werden per Kaiserschnitt geholt oder kommen früher zur Welt. Dies ist auch häufig der Fall. Zwillinge kommen durchschnittlich in der 37. Schwangerschaftswoche zur Welt. Das liegt vor allem am höheren Gewicht, das auf die Gebärmutter drückt. Auch nach der Geburt warten Herausforderungen auf die Eltern. Mehr Kinder bedeuten auch mehr finanzielle Ausgaben. Daher sollte sich schon vor den Zwillingen mit den eigenen Finanzen auseinandergesetzt werden. Es gibt viele staatliche Leistungen und Fördermittel für Kinder.

Mehrere Kinder bedeuten außerdem eine höhere Belastung im Alltag. Die Erziehung von Zwillingen kann sehr stressig sein. Hier sollte vielleicht eine Betreuung in Betracht gezogen werden, um sich auch einmal eine Pause vom Stress der Kindererziehung zu gönnen.

Erhöhtes Risiko bei Zwillingen?

Eine Schwangerschaft mit Zwillingen gilt tatsächlich als Risikoschwangerschaft. Das muss aber nicht automatisch bedeuten, dass es zu Problemen kommt. Meistens verläuft auch eine Zwillingsschwangerschaft reibungslos. Dennoch gibt es mögliche Risiken. So stellt beispielsweise das fetofetale Transfusionssyndrom (FFTS) eine mögliche Gefahr dar. Dabei kommt es zu einem einseitigen Blutaustausch der Ungeborenen. Wird dieser Zustand nicht rechtzeitig behandelt, können beide Föten sterben. Erkennt und behandelt der Arzt das FFTS, werden die Kinder in den meisten Fällen jedoch gesund geboren.

Auch die Nabelschnur kann gefährlich für Zwillinge werden. Befinden sich beide Zwillinge in derselben Fruchthöhle, besteht die Möglichkeit, dass sich die Nabelschnur des einen Fötus um den Hals des anderen schlingt. Da dies lebensgefährlich sein kann, werden diese Kinder meist zwischen der 32. und 34. Schwangerschaftswoche per Kaiserschnitt geholt. Ein mögliches Risiko für die Mutter kann vor allem Blutarmut, Bluthochdruck oder eine Schwangerschaftsvergiftung sein. Auslöser ist hier oft das höhere Gewicht bei Zwillingen.

Keine Panik!

Dank der immer besser werdenden Medizin kann das Risiko aber minimiert werden. Vor allem ein regelmäßiger Arztbesuch – mindestens alle 14 Tage – ist empfehlenswert. Auch als Mutter kann aktiv etwas gegen das Risiko unternehmen. So sollte in jedem Fall genug getrunken und gegessen werden. Auch eine gesunde und ausgewogene Ernährung ist wichtig. Denn besonders bei Zwillingen benötigt der Körper mehr Nährstoffe. Spezielle Nahrungsergänzungsmittel können in so einem Fall sinnvoll sein.

Ebenfalls wichtig bei einer Schwangerschaft ist ausreichend Ruhe. Stress und hohe körperliche Anstrengung sollten vor allem im letzten Drittel der Schwangerschaft vermieden werden. So wird das Risiko einer Frühgeburt minimiert. Außerdem sind Alkohol und Tabak wie bei jeder Schwangerschaft ein absolutes Tabu. Beachtet die Mutter also ein paar grundlegende Dinge und sucht regelmäßig den Arzt auf, kann eine Zwillingsschwangerschaft durchaus ohne größere Probleme verlaufen.

Schwangerschaft mit Zwillingen: Das Fazit

Obwohl eine Zwillingsschwangerschaft selten und mit besonderen Herausforderungen verbunden ist, sollten Eltern sich keine allzu großen Sorgen machen. Denn eine Schwangerschaft ist in jedem Fall etwas Wundervolles. Durch die moderne Medizin kann die Zwillingsschwangerschaft relativ unproblematisch und risikoarm ablaufen. Werdende Eltern können sich also unbesorgt über den Nachwuchs freuen. Und wenn die genannten Tipps beherzigt werden, steht einer erfolgreichen Geburt nicht mehr viel im Wege.